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Die mittelalterliche Kriegführung

bx812

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Der König oder Fürst konnte seine Vasallen, Lehnsmänner und Freien zu der Teilnahme an einen Heereszug nur zwingen, wenn er in der Lage war, überzeugend darzustellen, daß es sich um einen "gerechten" Krieg handele. Denn der Krieg wurde grundsätzlich als Anrufung Gottes und als großer "Zweikampf" gesehen, bei dem nur derjenige, der das Recht auf seiner Seite hatte, von Gott Hilfe erwarten konnte. Bei einem "ungerechten" Krieg waren die Gefolgsleute weder zum finanziellen noch militärischen Beistand verpflichtet.


Waren die Vasallen, Lehnsmänner und Freien bereit zu kämpfen, konnte mit den gegnerischen Truppen Ort und Zeit der stattzufindenen Schlacht vereinbart werden. Hinterhalte zu stellen, war (theoretisch!) strikt verboten, denn sie widersprachen der ritterlichen Ehre!


Wie es im Heer kurz vor einer Schlacht aussehen konnte, beschreibt Helmut Hiller bei Otto I., als dieser sich im Jahre 954 gerade in den Kampf gegen die Ungarn begeben wollte:
"Nachdem das Heer geordnet und vollzählig war, setzte König Otto zur Vorbereitung auf die Schlacht einen Tag des gottesfürchtigen Fastens und frommen Gebetes fest. Die Männer verziehen sich gegenseitig ihre Reibereien und Unfreundlichkeiten und gelobten einander wie auch ihren Führern alle Hilfeleistung im Kampf. Nicht wenige von ihnen mögen eine Zwiebel der wilden Gladiolen, die man auch Siegwurz oder – beinahe noch hoffnungsvoller – Allermannsharnisch nannte, bei sich getragen haben, denn ein solches Amulett machte nach damaligem Glauben hieb- und stichfest und ließ die Wunden besser heilen. Der König selbst tat das Gelübde, im Falle eines Sieges in Merseburg zu Ehren des Feuermärtyrers Laurentius ein Bistum zu gründen und die dort begonnene Pfalz in eine Kirche umzubauen." (in: Helmut Hiller, Otto der Große und seine Zeit, München 1980, S. 163)


Die Heere selbst waren nie sehr groß.


Kaiser Otto IV. († 1218) versuchte sogar mit nur 1 500 Berittenen und 7 500 Fußsoldaten, Frankreich zu erobern. Was ihm jedoch mißlang! Das zahlenmäßig stärkste Heer im Mittelalter soll Eduard III. von England im Jahre 1347 bei der Belagerung von Calais aufgeboten haben. Es wies über 32 000 Mann auf.


Im allgemeinen ritt den Heeren ein Fahnenträger voran, der das besondere Ziel der gegnerischen Truppen war. Denn das Entreißen der Fahne, die zur Sammlung der Kämpfenden diente und auf der häufig ein Schutzheiliger oder das Wappen des Fürsten abgebildet war, konnte schon zum Sieg führen. Die "Fahnenlosen" wurden dadurch nämlich völlig demoralisiert!


Das Heer selbst bestand aus drei Abteilungen oder "Haufen". Vorne befand sich die Vorhut aus Bogenschützen und Armbrustschützen, in der Mitte die Ritter und Fußsoldaten und hinten die Nachhut. Außerdem mußten noch Wagen und Packpferde mit Proviant, Zelten, Belagerungswerkzeugen, Zusatzwaffen und lebendes Schlachtvieh mitgenommen werden. Der Ritter belastete sich auf dem Marsch nur mit seinem Schwert. Der Ringpanzer, der Topfhelm und der Schild befanden sich in den genannten Wagen. Dem Heereszug folgten schließlich noch Kaufleute und Prostituierte, die bei solchen Gelegenheiten reichlich Gewinn machten.


Am Tage wurde marschiert, und in der Nacht wurde das Lager aufgeschlagen, das den römischen Feldlagern nachgeahmt wurde. Die Fürsten ließen ihre kostbaren Zelte aufbauen, vor denen auch die Heeresfahne aufgepflanzt wurde. Die Ritter bildeten Zeltgemeinschaften. Wachmannschaften hatten dieses Nachtlager vor Überraschungen zu warnen.


Am Tag der Schlacht wurde morgens erst noch die Messe gelesen. Dann ging es schließlich mit Schlachtgesang und Kriegsgeschrei, begleitet von Pauken, Trommeln, Hörnern und Posaunen in den Kampf. Das Fußvolk hatte mit dem Angriff zu beginnen. Die Ritter folgten.

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M

MIGELE

Gast
Bx topp Beitrag
Interessant ist der „gerechte Krieg“
Hatte ich so noch nicht gelesen!
 

bx812

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Interessant wirds im letzten Teil, was mit den Verlierern geschah. Zeigt auch das erheblich Platz fuer ein Lager benoetigt wurde.
 
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